Museum KZ Sonnenburg soll restauriert werden

Geschichtsarbeitskreis sucht Mitarbeiter. Berliner VVN-BdA unterstützt Gestaltung der Ausstellung.

von Hans Coppi und Kamil Majchrzak, gleichzeitig erschienen in „Polen und wir – Zeitschrift für deutsch-polnische Verständigung“ ‚ 2/2013 (103)

Vertreter der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) nehmen seit 2009 an dem jährlichen Gedenken aus Anlass des Mordes an 819 Häftlingen des Zuchthauses Sonnenburg am 30. Januar 1945 teil.

Das Gedenken am „Museum der Martyrologie der Opfer des Lagers Sonnenburg“, an dem Denkmal für die Kombattanten und auf dem Friedhof der Kriegsgefangenen, wo auch die ermordeten Haftlinge bestattet wurden, findet unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Es kommen ehemalige polnische Kombattanten, frühere Partisanen, KZ-Häftlinge, lokale und überregionale Politiker aus Słońsk und Gorzów, Vertreter der Gedenkstatte Seelower Höhen sowie der belorussischen und luxemburgischen Botschaft, aber auch SchülerInnen, Vertreter der Katholischen Kirche und zivilgesellschaftlicher Organisationen. Im Rahmen der Feierlichkeiten halt eine Einheit der polnischen Streitkräfte eine Mahnwache und einen Totenappell ab.

Nach den Gesprächen, die wir am 1. Februar 2013 mit Kombattanten des ZKRP i BWP aus Gorzów, der Sejm-Abgeordneten Bożena Sławiak (PO) und dem Bürgermeister Janusz Krzyśków führten, zeichnet sich ab, dass für die Rekonstruktion des maroden Museums 2013 oder 2014 finanzielle Mittel bereitgestellt werden konnten. Der Bürgermeister wandte sich direkt an die Berliner VVN-BdA mit dem Angebot, sich aktiv an der Ausgestaltung der Ausstellung zu beteiligen. Es gilt Słońsk/Sonnenburg als einen Ort, an dem Hitler-Gegner aus Deutschland und nach 1939 aus fast allen okkupierten Ländern weggesperrt und ermordet wurden, wiederzuentdecken und in der deutschen und auch in der polnischen Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Ortschaft liegt in unmittelbarem Grenzgebiet und gilt als Tor zum Nationalpark Warthe-Mündung.

Da die dortigen Schulen an einem Austausch mit deutschen Partnerorganisationen interessiert sind, ist es auch vorstellbar, deutsch-polnische Projekte von Jugendlichen mit historischem Bezug zur Region zu befördern. Diesen Prozess könnte ein Forum bestehend aus Angehörigen von Häftlingen bzw. deren Verbände, mit Vertretern aus deutschen und polnischen Initiativen, Gedenkstatten, Historikern, Stiftungen sowie Schulen und dem
Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) unterstutzen. Wir haben dem Bürgermeister von Słońsk vorgeschlagen, in diesem Jahr eine Tagung in Słońsk zum Konzentrationslager und Zuchthaus Sonnenburg, zur Geschichte und zur Erinnerungskultur und ihrer künftigen Ausgestaltung durchzuführen. Im April haben wir mit dem Bürgermeister ein erstes Treffen vereinbart.

Die Berliner VVN-BdA hat einen Arbeitskreis zur Geschichte des Konzentrationslagers und des Zuchthauses Sonnenburg begründet. Wer sich daran beteiligen möchte, persönliche Unterlagen und Fotos von Häftlingen, Berichte von Überlebenden oder Hinweise auf Publikationen und Archivunterlagen zu Sonnenburg zur Verfugung stellen kann, wendet sich an die „Berliner VVN-BdA“, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Tel. 030-29784178, email: berlin@vvn-bda.de.

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